Am 15.11.2008 hatte ich in Erfurt die Chance, Zuhörer eines Gesprächs mit Steve Clemons, dem Mann hinter dem Polit-Blog The Washington Note, zu sein. Steves Thema war Barack Obama und seine Möglichkeiten und Grenzen. Steve Clemons ist ein hoch interessanter politischer Beobachter in Washington. Es war ein intellektuelles Vergnügen, seinen Analysen zu folgen.

Einen kleinen Eindruck von Steve Clemons gibt seine Einschätzung zur Wahl von Cem Özedmirs zum neuen Parteichef der Grünen.

Für mich neu und erfrischend war die von ihm skizzierte “Obama Bubble”. Seine These ist, dass die Blase an Verheißungen, Wünschen und Versprechungen, die Obama in die Welt gesetzt hat, nur platzen kann. Früher oder später. Das Spannende daran ist, dass so lange die Blase existiert, sie ungeheure Kräfte freisetzt und die Gesellschaft verändert. Die Eisenbahnblase, die Dotcomblase, die Immobilienblase – mit dem Blatzen jeder dieser Blasen wurde eine Menge an Hoffnungen, Träumen und Werten zerstört, doch die Welt hatte sich in diesen Blasen verändert. Es blieb viel von dem Enthusiasmus dieser Zeit zurück und wurde, zumeist unter anderen Bedingungen, weiter genutzt und entwickelt.

Steve Clemons hat es nicht nur in den Staaten mit seinen Blog The Washington Note zu einiger Bekanntheit gebracht. Das ist ein Grund für mich, diesen Blog etwas näher anzuschauen.

Als erstes fällt das ansprechende Design auf. Steve Clemons scheint auf dem Photo jünger, als er in Erfurt wirkte. Doch das tut nichts zur Sache, denn das wichtigste des Blogs ist der Inhalt. Und hier fällt auf, dass der Blog vollkommen auf die Macht seiner Artikel setzt. Keine Tags, Clouds, Channels oder andere Gimmicks. Jeder Artikel besteht aus einer (zumeist ziemlich guten und schlagfertigen) Überschrift, einem Bild oder eingebundenem Video und Text. Nicht die Länge des Textes ist entscheidend, sondern seine Brisanz, Frechheit oder der Neuigkeitswert. So war er der Erste, der Hillary Clintons Ambitionen im Kabinett von Obama veröffentlichte.

Es ist gut zu sehen, dass der Erfolg einer Website mit “Content first” erzielt wird, und zwar mit hart recherchierten Inhalten.

Und wie wird mit dem Blog Geld verdient? Oben sind einige obligatorische Anzeigen von Google eingeblendet, links ist Platz für zwei Anzeigen von Blogads. Für $150 kann dort eine Anzeige für 1 Woche geschaltet werden, 3 Monate sind schon für $1000 zu haben. Steve Clemons ist bei Blogads im Political Insider Ad Network, und wie dort leicht zu sehen ist, gibt es teurere Adressen als die Washington Notes. Aber nicht nur die Anzeigen bringen Geld, sondern auch Spenden per Paypal sind möglich. Nette Kombination der Mittelbeschaffung.

Steve Clemons war in Erfurt sehr begeistert von der Art, wie Obama seine Kampagnen in den sozialen Netzwerken gefahren hat und wie er durch Mikrospenden ein beachtliches Budget zusammenbekommen hat. Zumindest die Mikrospenden scheinen auch für Steve Clemons ein probates Mittel zu sein.

Angeregt von der Idee der “Obama Bubble” wollte ich in seinem Blog mehr darüber lesen, doch die Volltextsuche brachte nicht ein einziges Ergebnis. Vielleicht wartet Steve Clemons ja noch etwas, bis sich ganz langsam zeigt, dass die erste Luft aus der Blase entweicht. Und dann kommt eine Story, die alle überrascht.

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