Heute ist nun der Konferenztag der Topic Maps Conference 2009 in Oslo. Das Motto der diesjährigen Konferenz ist “Cultur of Sharing”. Rund 120 Teilnehmer finden sich seit 9.00 Uhr im Felix Konferansecenter zusammen. Das Center liegt mitten in Aker Brygge, ein neuer, hipper Stadtteil direkt am (Yacht-)Hafen von Oslo.

Wie bereits durch Are Gulbransen angekündigt, zielt die diesjährige Konferenz stärker auf den norwegischen Markt. Das führt dazu, dass auch die beiden Keynotes in Norwegisch sind.

Die Konferenz startet mit der Keynote von Tommy Nordeng mit dem Titel Why is it so hard to share, and why don’t we do as we say?. So weit ich es dem englischsprachigen Abstract entnehmen kann spricht er über NDLA. Dies ist ein norwegisches, öffentlich finanziertes Projekt, um die “culture of sharing” zu unterstützen. Hier kommen Themen wie Creative Commons, Open Source and lebenslanger Zugriff auf Informationen zusammen. In NDLA sollen RDF- und Topic Maps-basierte Lösungen ineinander greifen. Mehr Details kenne ich nicht, denn diese verstecken sich hinter dem Norwegisch des Vortrags.

Der erste englischsprachige Vortrag ist zugleich ein Höhepunkt des heutigen Tages. Graham Moore spricht über seine Ideen, wie die Future Topic Maps world aussehen könnten. Als erster diskutiert Graham den aktuellen Erfolg von Topic Maps.

  1. Topic Maps haben das Contentmanagement verbessert.
  2. Topic Maps ist eine “holistische” Integrationstechnologie, die die Sicht auf die Dinge verändert hat.
  3. Topic Maps erlauben es, die Daten so zu organisieren, wie die Nutzer es erwarten.

Das Problem ist jedoch, dass Topic Maps nur in “small” (single webseite) und “medium” (enterprise) erfolgreich sind. Aber “large” ist das Web – und hier sind Topic Maps nicht angekommen. Mit Topic Maps können heute bessere Silos für Informationen gebaut werden. Aber diese Silos sind nicht verbunden – at the large scale. Im “GREP-Projekt” wird basierend auf dem SD-Protokoll (Ergebnis der Topic Maps Coder Challenge auf der TMRA 2008) schon der erste Schritt getan, aber es fehlt die Möglichkeit des globalem Austausches.

Jetzt beginnt Grahan seine Wünsche und Herausforderungen für “Gloablising Topic Maps” zu beschreiben

  1. Das alle, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren, bei verschiedenen TM-Servers diese Informationen anfragen können.
  2. Die Barriere für die Veröffentlichung von Subject Identifiern muss sinken.
  3. LinkedData Topic Maps einfach funktionieren sollen.
  4. Ontologien besser durch Menschen gefunden werden können.
  5. Lokale Applikationen Informationen aus dem TMWeb nutzen können.
  6. Das alles gut mit Google, Yahoo und Live Search funktioniert.
  7. Die Identität von Aussagegegenständen und die Adressierung von Topics muss gelöst werden.

Besonders wichtig für Graham ist ein “Global Scale Subject Identity Resolution service”. Folgender Lebenszyklus wird skizziert:

  1. Veröffentliche Subject Identier
  2. Finde Subject Identifier
  3. Veröffentlicher Aussage über Aussagegegenstände
  4. Entdecke die Gleichheit von Subject Identifiers
  5. Finde und Verbinde mit anderen Repräsentationen

Um diesen Lebenszyklus umzusetzen, sollte der Service die folgenden Aufgaben übernehmen:

  1. Registriere Subject Identifier, mit Name und Beschreibung
  2. Registriere Webadresse der Representation
  3. Retrieve Subject Identifier
  4. Search Text und URIS um identifier zu finden
  5. Manage Provenance

In diesem Zusammenhang führt Graham den den Begriff des “Subject Identity Record” ein. In diesem Record werden alle Informationen, die zu einem Identifier verfügbar sind gespeichert und abfragbar gemacht.

Das führt direkt zu der Frage, wie diese Infrastruktur global skalieren kann. Am 29.04.2009 wird NetworkedPlanet einen “root authority service” veröffentlichen. Später soll ein “discovery service” installiert werden. Im April 2009 sollen White Papers zu den Protokollen veröffentlich werden, damit nicht nur NetworkedPlanet die Infrastruktur implementiert. Denn erst dann kann diese Idee skalieren.

Der Vortrag war voll mit Information, es lohnt sich die Folien im Detail anzuschauen. NetworkedPlant hat zu dem Thema Topic Maps und Web3 einen neuen Blog gestartet.

Im nächsten Vortrag stellt Robert Engels das nationale Projekt Sesam4 vor. Zuerst wird das nationale Projekt vorgestellt. Die Hintergründe des Projekts sind RDF und Semantic Web, aber durch die Beiträge von Stian Danenbarger, Graham Moore und Steve Pepper sind Topic Maps integraler Bestandteil des Projektes geworden. Das Ziel von Robert Engels ist, beide Technologien in einem Projekt einzusetzen – in Bereichen, in den sie jeweils ihre Stärken einbringen können. Das gesamte Projekt geht noch bis 2010 und es wurde eine große “Wunschliste” präsentiert, jedoch keine Ergebnisse.

Danach kommen die Enlightning talks. Als erster Vortragender hatte ich die Möglichkeit, in 8 Minuten und mit 22 Folien das Topic Maps Lab und sein Portal zu beschreiben. Die darauf folgenden Vorträge von Robert Keil und Robert Strind waren in Norwegisch. Gerade der Vortrag von Robert Strind über das Assessment von Topic-Maps-Engines hätte mich sehr interessiert, da dies eng mit der Bachelor-Arbeit von Martin Czygan in Beziehung steht.

Nach der Mittagspause berichtet Jorgen Dalen von der Firma Halogen über Find Documents! No, Find People. Er adressiert das altbekannte Problem, dass das interessantes Wissen eines Unternehmens implizit ist. Daher ist es wichtig, die relevanten Personen in einer Organisation zu finden. Dabei referenziert er zu Marc Granovetters Strength of weak ties. Die vorgestellte Lösung basiert auf TMCore von NetworkedPlanet. Die zentrale Leistung dieser Lösung ist, dass für jeden Suchterm zuerst eine Liste relevanter Mitarbeiter angezeigt werden und erst dann die Liste der relvanten Dokumente. Ein Problem dabei ist, dass die Personen nach ihrer Relevanz geordnet werden müssen. Hier werden verschiedene Modelle (wie z.B. “social distance”, “contribution activity”, “consumption”) vorgestellt, keines ist jedoch ohne Nachteile.

Nach einer kurzen Kaffeepause berichten Peter Brown und Graham Moore über eGov-Share. Die in dem Vortrag adressierte Herausforderung ist die Integration of Information zwischen verschiedenen Institutionen der Europäischen Union. Hierfür werden die Erstellung einer Referenzontologie für die Beschreibung von eGovernment-Ressourcen und ein Protokoll für den Austausch von Informationen vorgeschlagen. Dieses Protokoll ist das bereits oben beschriebene SD-Share. Ontologie und Austauschprotokoll zusammen werden “eGov-Share” genannt. Als Use Case wird die Stadt Worms vorgestellt, die Ihre Dienstleistungsangebote sowohl auf der kommunalen als auch auf der regionalen Webseite veröffentlicht.

Den nächsten Vortrag über cfengine von Marc Burgess habe ich leider verpasst. Arnar Lundesgaard wies mich jedoch beim gestrigen Social Event darauf hin, dass das Projekt sehr interessant ist. Ein Blick drauf lohnt sich auf jeden Fall.

In der abschließenden Keynote spricht Jon Bing, Professor für Rechtsinformatik, über die Repräsentation von legeslativen Regeln in Topic Maps. Da dieser Vortrag in Norwegisch war, kann ich leider wenig darüber berichten.

Die diesjährige Konferenz war deutlich kleiner und relaxter als die letztjährige Konferenz. Ich habe die Atmosphäre genossen und viele interessante Gespräche geführt. Vielen Dank, speziell an Are Gulbrandsen für die Organisation.

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