Vorträge auf Topic Maps Norway 2009 und Leipziger Semantic Web Tag 2009
February 25th, 2009
Diese Woche erhielt ich zwei Einladungen, um über die Topic Maps Portale und deren Einsatzmöglichkeiten zu referieren.
Der erste Termin ist Topic Maps Norway 2009 am 19.03.2009. Im Gegensatz zum letzten Jahr wird die Konferenz sich wieder stärker auf den norwegischen Markt konzentrieren. Trotzdem wird es verschiedene englischsprachige Vorträge geben. Derzeit ist nur das “vorläufige Programm der Topic Maps Norway 2009” veröffentlicht. Interessant klingt der angekündigte Vortrag von Stian Danenbager The Advantages of Model-driven Search. Hierbei geht es um die Frage, wie das in den Topic-Maps-Ontologien formalisierte Domänenwissen für die automatische Optimierung des Suchprozesses genutzt werden kann.
Der zweite Termin wird der Leipziger Semantic Web Tag am 29.04.2009 in Leipzig sein. Schwerpunkt dieses durch die Arbeitsgruppe AKSW der Universität Leipzig veranstalteten Tages ist, die Möglichkeiten semantischer Technologien regionalen Unternehmen darzustellen. Dabei steht semantisches Contentmanagement im Mittelpunkt des Interesses – ein idealer Anwendungsbereich für Topic Maps Portale.
Natürlich werde ich hier von beiden Veranstaltungen berichten.
Ten benefits of a Subject-centric Information Architecture for the future of Social Networking
February 11th, 2009
Im Dezember haben Benjamin Bock und ich ein Position Paper für den W3C Workshop on the Future of Social Networking eingereicht. Der Titel unseres Positionspapiers ist “It’s all around the domain ontologies – Ten benefits of a Subject-centric Information Architecture for the future of Social Networking” (download als pdf).
Nur ganz kurz – unsere zehn Ideen für bessere Social Networks mit Topic Maps sind (wer mehr wissen will, muss das Paper lesen):
1. Subject-centric information architecture drives the user interfaces
2. Subjects in shapes
3. Identity-awareness
4. Highest normalization through domain-specific APIs
5. Querying against the domain models
6. Decreasing the development time with MDD
7. “One Liner” editing interfaces
8. Localisation through the domain ontology
9. Integrating social networks
10. Subject-centric databases at local machines

Nicht nur wir, sondern 71 andere Teams hatten gute Ideen zur Zukunft von Social Networks. Und so kam es, dass unser Ausflug nach Barcelona nicht stattfand und uns damit auch diese wunderbare Ansicht entging. (photo by papalars@flickr)
Jetzt wurde der Report zu dem Workshop veröffentlicht. Die folgenden, zentralen Ergebnisse wurden im Januar in Barcelona erarbeitet:
- Integration von Social Networks – Given the growing number and maturity of data interoperability formats and protocols, there is a significant opportunity for social networks to reduce the detrimental effects of architectural silos by opening their closed communities for the benefit of users. Totally distributed social networking is a possible future scenario.
- Informationelle Selbstbestimmung – There is a significant risk level and a lack of awareness among users surrounding the risks associated with social networking activity and social media publishing.
- Kontext is king – Context is playing a large and increasingly important role in the social networking industry. Context has many elements and sources which at this time are poorly understood and managed (by users or the providers of social networks).
- Geld verdienen? – Many future business opportunities are (or will soon be) stifled by the lack of a convention and/or widely adopted protocol for the exchange of value for goods and services within communities.
- Vielfalt an Endgeräten und Nutzern – There is need for specific outreach on social network feature/service accessibility and mobility matters to address the disparity between current implementations of social networks and the devices or capabilities of all users of the Web.
Der Match zwischen unseren “Benefits” und den im Workshop definierten Herausforderungen ist nicht hundertprozentig, aber nicht zu unterschätzen. Social Networks sind aussagegegenstandszentriert und das Topic Maps Ecosystem bietet spannende Software für solche Applikationen.
Andreas Henrich zu Gast
February 5th, 2009
Der heutige Gast in unserem Forschungsseminar war Prof. Dr. Andreas Henrich, Professor für Medieninformatik an der Universität Bamberg. In einem sehr kurzweiligen Vortrag wurden dabei die aktuellen Forschungsvorhaben an dem Lehrstuhl vorgestellt.
Das Projekt forflow dient der kontextbasierten Informationsversorgung von Konstrukteuren im Entwicklungsalltag. Finanziert wird das Vorhaben von der Bayerischen Forschungsstiftung. Eine Suche nach “Sächsischer Forschungsstiftung” bei Google ergab keinen relevanten Treffer.
Das Projekt LMS4KMU soll einen Transfer von Lerninhalten in dem eLearning-System der Universität Bamberg zu interessierten KMU ermöglichen. Dieses Projekt wird aus dem ESF – Europäischen Sozialfonds – unter dem Motto “ESF in Bayern – wir investieren in Menschen” finanziert.
Richtig spannend wurde es bei der Vorstellung der aktuellen Arbeiten zum Geographischen Information Retrieval. Eine gute Zusammenfassung dazu gibt das Abstract eines Papers, das er gemeinsam mit Volker Lüdecke dazu veröffentlicht hat:
“In typical concept@location-queries, the location is sometimes given by terms that cannot be found in gazetteers or geographic databases. Such terms range from names of vague geographical regions to more general terms such as mining or theme parks. In the present paper we describe our approach to deal with such vague location specifications. Roughly spoken, we derive a geographic representation for these location specifications from the top documents resulting from a query using the terms describing the location. These documents are parsed for toponyms and from these toponyms the region is derived. In the paper we describe an efficient process to derive the geographic representation for such situations at query time. Furthermore we present experiments depicting the performance of our approach as well as the result quality. Our approach allows for an efficient execution of queries such as camping ground near theme park or cycle path near brewery. It can also be used as a standalone-application giving a visual impression of the geographic footprint of arbitrary terms.”
Der mit diesem Verfahren automatisch extrahierte “geographic footprint” des Terms Weißwurstäquator schlängelt sich elegant entlang des Mains, wie man hier auf Folie 27 gut sehen kann.
Wie sich Social Media 2009 verändern wird
February 3rd, 2009
Jack Park hat mich auf den Artikel 10 Ways Social Media Will Change in 2009 von Ravit Lichtenberg aufmerksam gemacht. Es lohnte sich für mich, diese zehn Thesen einmal anzuschauen und sie aus meiner Perspektive zu betrachten.
1. It’s About People – es dreht sich um Leute
Social Media erlauben es den Leuten, sich als Individuum im Netz zu bewegen und zu kommunizieren. Die Leute wollen sich darstellen und mit Social Media erhalten sie die Möglichkeit dazu. Und je mehr sie diese Möglichkeiten kennen- und liebenlernen, desto mehr wollen sie diese zu ihrer Selbstdarstellung nutzen. Gerade wenn wenn wir die Leute und Ihre Darstellungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt stellen gilt das Saysche Theorem: Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst.
2. Creating Meaning and Value – die Leute wollen eigene Werte durch bedeutungsvolles Interagieren schaffen
Die Leute wollen einen spürbaren Nutzen aus ihren Aktivitäten in den Social Media erhalten. Wenn schon nicht monetär, dann zumindest soll es Ihnen Ordnung und Orientierung geben. Die Leute gruppieren sich um Themen, die ihr Leben bewegen, da sie damit ihren Interaktionen einen spürbaren Wert geben können.
Jack Park presenting at TMRA 2008 (Photo by Lars Marius Garshol)
3. Enabling Convergence – Social Media wächst zusammen
Dienste wie FriendFeed erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie die Medienkanäle für die Leute themenspezifisch bündeln. Dank Social Media sind diese Medienkanäle nicht mehr die Feeds großer Publisher, sondern das ewige Diskutieren von Freunden, Bekannten – den Followern. Social Media rückt Gemeinschaften enger zusammen – und schottet sie zunehmend von dem großen, bößen Rest ab. Die Leute sehnen sich nach der Konvergenz – nennen wir es ruhig Gemütlichkeit – , die Tools wie FriendFeed bringen.
4. Building a Truly Cross-Platform Experience – Social Media wo immer die Leute sind
Die Leute wollen auf die Medienkanäle ihrer Community immer Zugriff haben, egal wo sie gerade sind oder welches Gerät sie gerade in der Hand haben. Da die Leute neugierig sind gilt auch hier das Saysche Theorem: Jedes Angebot wird sich seine Nachfrage schaffen. Und noch wichtiger: die Leute wollen, egal wo sie gerade sind oder welches Gerät sie gerade in der Hand halten, diese Kanäle füttern. Mit Fotos, mit Gezwitscher ..
5. Creating Relevant Social Networks – Leute suchen nach IHREN Netzwerken
Die Leute suchen nach Plattformen, in denen Ihre Investitionen in Interaktionen den größten Return on Investment bringen. Nicht das größte Netzwerk wird die Leute am meisten anziehen. Sondern jeder wird sich die Netzwerke suchen, wo seine Interaktionen für ihn den größten Sinn stiftet.
6. Innovating in the Advertising Space – die Werbung kommt den Leuten näher
Social Media ist eine Goldgrube für die Werbeindustrie. So nahe sind sie noch nie an die Leute gekommen. So genau konnten sie noch nie ihre Gewohnheiten studieren, bevor sie ihnen die maßgeschneiderte Werbung präsentieren.
7. Helping People Organize Their “Old” Social Media Ecosystem – die Leute suchen immer noch nach Ordnung und Orientierung
Social Media kann den Leuten Ordnung und Orientierung innerhalb ihrer Community geben. Doch das schützt die Leute nicht davor, von der täglichen Informationsflut erschlagen zu werden. Im Gegenteil, mit Social Media rollt ein ungefilterter, dreckiger Information Tsunami auf uns zu. Alle Ansätze – und das sind nicht nur Suchmaschinen – diese unglaubliche Masse an Informationen für die Leute nutzbar zu machen werden auch 2009 Konjunktur haben.
8. Connecting with the Rest of the US and the World – es gibt auch Leute außerhalb der USA
Social Media ist ein weltweites Thema. Überall wo die Leute an ein internetfähiges Endgerät gelangenm werden sie Teil dieses globalen Schwatzes. Und dieses weltweite Geplapper wird in Zukunft immer weniger auf Englisch stattfinden, sondern Portugiesisch, Russisch, Arabisch, Deutsch, Koreanisch, Japanisch …
9. Preparing for New Social Media Jobs – Leute, versucht 2009 Social Media als Marktplatz zu gestalten
Social Media bringen Leute und Ideen in Communities zusammen. Und die Marketingfirmen geben Produkte und Dienstleistungen dazu. Aber das können auch die Leute selbst tun, und die Vertriebsprovision von den Herstellern kassieren. Egal wer es tut. Social Media sind ein perfekter Marktplatz und es wird zunehmend mehr Leute geben, die auf diesem Marktplatz ihr Geld verdienen können. Und das ohne gleich den ganzen Markt betreiben zu müssen.
10. Making Money
Nach den Punkten 1 bis 9 möchte ich hier nichts hinzufügen und der Phantasie des Lesers freien Lauf lassen.
Randbemerkung: Auch bei Wikipedia wird das Wort Social Media genutzt. Die dort vorgeschlagene Übersetzung “Soziale Medien” scheint auf den ersten Blick plausibel zu sein. Doch wie sozial sind diese Medien im Sinne einer “sozialen Marktwirtschaft”? Daher bleibe ich bei Social Media.