Diesen Dienstag, d. 25.11.2008, war ich eingeladen, das Topic Maps Lab auf dem 7. Heidelberger Innovationsforum vorzustellen.

Der Veranstaltungsort war sehr exklusiv gewählt. Etwas außerhalb von Heidelberg, in den Hängen oberhalb des Neckars, liegt die Villa Bosch. Die Villa ist der Sitz des European Media Laboratory. Die Gegebenheiten vor Ort erinnerten mich stark an den Mediencampus Villa Ida in Leipzig, in dem wir jedes Jahr TMRA veranstalten. Sowohl in Heidelberg als auch in Leipzig wird eine stilvolle Villa mit einem gelungenen Anbau zur Durchführung von Veranstaltungen erweitert. Derartige Veranstaltungsorte sind ideal, um Leute thematisch zusammenzubringen und gemeinsam Ideen zu entwickeln.


Heidelberg fotografiert von Cory Wendorf

Doch zurück zum Programm des 7. Heidelberger Innovationsforums. Dank ungünstiger Zugverbindungen und reichlicher Verspätungen der Deutschen Bahn habe ich die Keynote von Erkko Autio, Professor am Imperial College in London verpasst. Während des gesamten Tages wurde mehrfach auf die Keynote referenziert, so dass einige interessante Punkte zur Sprache gekommen sein müssen.

Nach der Keynote gab es jeweils zwei parallele Tracks. Innerhalb der Tracks wurden Geschäftsideen und Forschungsprojekte in 10-minütigen Präsentationen vorgestellt. Mir gefällt ein solches Format, da dies die Vortragenden zwingt, ihre Kernideen prägnant in kurzer Zeit vorzustellen. Leider wurde von den Verantwortlichen Session Chairs der Zeitdruck nicht zielgerichtet durchgesetzt, so dass streckenweise Längen entstanden.

Ich habe drei Sessions besucht. Die erste Session “From searching to finding” gab wenig Impulse. Gut gemacht war der Vortrag von Dr. Frank Wanning von der Firma HFN Medien GmbH über Voice Content Management (zu diesem Term existiert kein Eintrag in Wikipedia!). Mein Favorit in dieser Session war die Lösung zum Ideenmanagement von Cassiber, einem Züricher Start-up. Nicht unbedingt der in Heidelberg vorgestellte Ansatz zum Clustering von Ideen war spannend. Eher der grundsätzliche Ansatz des Ideenmanagementsystems. 75% der “guten” Ideen fallen einem Arbeitnehmer nicht am Arbeitsplatz ein, sondern bspw. beim Warten auf den Ferienflieger. Nach dem Urlaub sind diese Ideen vergessen. Cassiber stellt einen Service zur Verfügung, dass Arbeitnehmer per SMS, Telefon oder Internet von überall und zu jeder Zeit Ihre Ideen in den Ideenpool der Firma einstellen können.

Die zweite Session war “Use your resources efficiently”. Hier stellte Thomas Wollny von der Firma bitExpert die Idee eines virtuellen Musterhausparks vor. In der ersten Ausbaustufe sollen 10.000 virtuelle Quadratmeter vermarktet werden. Ich bin sehr gespannt, ob sich ein solches Geschäftsmodell durchsetzen kann. Überzeugt hat mich, dass die Firma sich eine eigene Forschungsabteilung mit dem Schwerpunkt Generative Programmierung leistet. Danach stellte Dr. Steffen Hüttner von der Hölle&Hüttner AG eine Topic-Maps-basierte Lösung für die Annotation von Genomanalysen vor. Ein ähnlicher Beitrag wurde auch von Dr. Gerhard Weber auf der TMRA 2008 unter dem Titel Topic Maps as Application Data Model for Subject-centric Applications vorgestellt. Mein Favorit in dieser Session war jedoch die Präsentation von Frank Maute von der Firma booc. Booc ist ein Eventmanagementsystem.

Die letzte Session war “Show me the numbers”. Hier habe ich in dem ersten Vortrag das Forschungsprogramm unseres Topic Maps Labs unter dem Titel LiVE Enterprise Integration vorgestellt.

Der Tag wurde mit einem Abendessen im Palais Prinz Carl und interessanten Gesprächen abgerundet. Die Dinner Speech von Dr. Wolfgang Kemna von der living-e AG fasste den Tag auf angenehme Weise zusammen.

Am 15.11.2008 hatte ich in Erfurt die Chance, Zuhörer eines Gesprächs mit Steve Clemons, dem Mann hinter dem Polit-Blog The Washington Note, zu sein. Steves Thema war Barack Obama und seine Möglichkeiten und Grenzen. Steve Clemons ist ein hoch interessanter politischer Beobachter in Washington. Es war ein intellektuelles Vergnügen, seinen Analysen zu folgen.

Einen kleinen Eindruck von Steve Clemons gibt seine Einschätzung zur Wahl von Cem Özedmirs zum neuen Parteichef der Grünen.

Für mich neu und erfrischend war die von ihm skizzierte “Obama Bubble”. Seine These ist, dass die Blase an Verheißungen, Wünschen und Versprechungen, die Obama in die Welt gesetzt hat, nur platzen kann. Früher oder später. Das Spannende daran ist, dass so lange die Blase existiert, sie ungeheure Kräfte freisetzt und die Gesellschaft verändert. Die Eisenbahnblase, die Dotcomblase, die Immobilienblase – mit dem Blatzen jeder dieser Blasen wurde eine Menge an Hoffnungen, Träumen und Werten zerstört, doch die Welt hatte sich in diesen Blasen verändert. Es blieb viel von dem Enthusiasmus dieser Zeit zurück und wurde, zumeist unter anderen Bedingungen, weiter genutzt und entwickelt.

Steve Clemons hat es nicht nur in den Staaten mit seinen Blog The Washington Note zu einiger Bekanntheit gebracht. Das ist ein Grund für mich, diesen Blog etwas näher anzuschauen.

Als erstes fällt das ansprechende Design auf. Steve Clemons scheint auf dem Photo jünger, als er in Erfurt wirkte. Doch das tut nichts zur Sache, denn das wichtigste des Blogs ist der Inhalt. Und hier fällt auf, dass der Blog vollkommen auf die Macht seiner Artikel setzt. Keine Tags, Clouds, Channels oder andere Gimmicks. Jeder Artikel besteht aus einer (zumeist ziemlich guten und schlagfertigen) Überschrift, einem Bild oder eingebundenem Video und Text. Nicht die Länge des Textes ist entscheidend, sondern seine Brisanz, Frechheit oder der Neuigkeitswert. So war er der Erste, der Hillary Clintons Ambitionen im Kabinett von Obama veröffentlichte.

Es ist gut zu sehen, dass der Erfolg einer Website mit “Content first” erzielt wird, und zwar mit hart recherchierten Inhalten.

Und wie wird mit dem Blog Geld verdient? Oben sind einige obligatorische Anzeigen von Google eingeblendet, links ist Platz für zwei Anzeigen von Blogads. Für $150 kann dort eine Anzeige für 1 Woche geschaltet werden, 3 Monate sind schon für $1000 zu haben. Steve Clemons ist bei Blogads im Political Insider Ad Network, und wie dort leicht zu sehen ist, gibt es teurere Adressen als die Washington Notes. Aber nicht nur die Anzeigen bringen Geld, sondern auch Spenden per Paypal sind möglich. Nette Kombination der Mittelbeschaffung.

Steve Clemons war in Erfurt sehr begeistert von der Art, wie Obama seine Kampagnen in den sozialen Netzwerken gefahren hat und wie er durch Mikrospenden ein beachtliches Budget zusammenbekommen hat. Zumindest die Mikrospenden scheinen auch für Steve Clemons ein probates Mittel zu sein.

Angeregt von der Idee der “Obama Bubble” wollte ich in seinem Blog mehr darüber lesen, doch die Volltextsuche brachte nicht ein einziges Ergebnis. Vielleicht wartet Steve Clemons ja noch etwas, bis sich ganz langsam zeigt, dass die erste Luft aus der Blase entweicht. Und dann kommt eine Story, die alle überrascht.